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Alkohol-Rückfall: So gehst Du damit um

Du hast die Therapie erfolgreich gemeistert und lebst nun schon eine lange Zeit abstinent. Doch dann kommt es zur vermeintlichen Katastrophe: Ein Alkohol-Rückfall. Aus irgendeinem Grund hast Du wieder zur Flasche gegriffen. Eines vorweg: Das ist kein Drama und gehört bei Alkoholikern beinahe schon dazu. Wichtig ist, dass Du Dich jetzt wieder fängst und nicht erneut in alte Muster gerätst.

Wie mit einem Rückfall Alkohol umgehen?

Ein Alkohol-Rückfall ist kein Beinbruch. Er gehört zur Alkoholsucht dazu. Wichtig ist, schnell wieder auf den richtigen Weg zu finden.

Es gehört nicht viel dazu, um wieder zu trinken. Oft genügt ein kleiner Anlass, und der Alkoholiker genehmigt sich wieder ein Glas. Ein Streit in der Familie, Probleme im Job oder auch Kleinigkeiten, wie ein verregneter Tag. „Erlaubniserteilende Gedanken“ nennen das die Psychologen. Eine Situation also, in der Dir das Teufelchen auf der Schulter ins Ohr flüstert: „Jetzt trink schon endlich was!“. So gehst Du damit um.

Vor dem Rückfall

Vor dem Alkohol-Rückfall staut sich in der Regel einiges an. Du bist mit irgendetwas unzufrieden, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist. Dann kommt der Gedanke, jetzt wieder etwas zu trinken. Verantwortlich dafür ist das „Suchtgedächtnis“. In diesem ist der Drang zu trinken fest verankert. Das Suchtgedächtnis vergisst nie. Wer einmal in der Alkoholspirale gefangen war, wird sich immer an die Wirkung und den Geschmack des Alkohols erinnern. Das Suchtgedächtnis kannst Du also nicht ausschalten. Aber Du kannst lernen, mit dem Verlangen umzugehen.

Wichtig ist, dass Du schnell und angebracht reagierst, bevor Du zur Flasche greifst. Folgende Hilfe-Möglichkeiten in der Not bieten sich an:

Die Selbsthilfegruppe

Ganz sicher hast Du nach Deiner Alkoholentwöhnung Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe aufgenommen. Hier findest Du nicht nur zu den üblichen Gruppenstunden Hilfe. Oft wird Dir eine Liste ausgehändigt, auf der Du die Telefonnummern von anderen Mitgliedern findest. Diese kannst Du im Fall der Fälle anrufen. Wenn das Verlangen nach Alkohol zu stark werden sollte, kann Dich ein Gruppenmitglied dabei unterstützen, weiterhin abstinent zu bleiben. Das funktioniert auch am Abend und in der Nacht.

Freunde und/oder Verwandte

Lege vorher fest, welcher Deiner Freunde oder Verwandte Dir in der Not zur Seite stehen kann. Wichtig ist, dass dieser das auch tut, wenn es einmal so weit sein sollte. Diesen Menschen solltest Du kontaktieren, bevor du einen Alkohol-Rückfall erleidest. Selbst wenn es nur ein kurzes Telefongespräch ist – es lenkt doch so weit ab, als dass Du anschließend hoffentlich kein Verlangen nach Alkohol mehr haben wirst.

Die Suchtberatungsstelle

Kompetent und mit viel Verständnis: So arbeiten die Suchtberatungsstellen. Leider kannst Du dort nicht außerhalb der Geschäftszeiten anrufen. Aber eventuell stellt Deine zuständige Suchtberatung ein Notfall-Telefon zur Verfügung? Frage beim nächsten Besuch doch einfach mal danach.

Die Telefonseelsorge

Hilfe in der Not: Bei einem Alkohol-Rückfall kann Dir auch die Telefonseelsorge helfen.

Alkohol-Rückfall: Die Telefonseelsorge hilft, bevor Du zur Flasche greifst.

Wenn niemand aus Deinem Umfeld erreichbar sein sollte, kannst Du auch bei der Telefonseelsorge anrufen. Ausgebildetes Personal wird Dir zuhören und Dir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das gilt übrigens nicht nur, wenn Du Suchtdruck verspürst, sondern auch in vielen anderen Angelegenheiten, die Dir das Leben schwer machen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Seelsorger zu erreichen:

Seelsorge telefonisch erreichen

  • 0 800 / 111 000 111
  • 0 800 / 111 000 222
  • 116 123

Online-Seelsorge (Mailberatung)

Wer nicht persönlich mit einem der Mitarbeiter sprechen möchte, kann auch schriftlich zur Telefonseelsorge Kontakt aufnehmen. Hier musst Du Dich zunächst anmelden. Wenn Du nicht möchtest, musst Du nicht Deine E-Mail-Adresse oder sonstige Daten von Dir angeben. Ein Anmeldename (Nickname) und ein von Dir gewähltes Passwort genügen.

Online-Seelsorge (Chatberatung)

Mit der oben genannte Anmeldung hast Du auch Zugriff auf die Chatberatung der Telefonseelsorge. Auch hier ist rund um die Uhr ein Seelsorger, bzw. eine Seelsorgerin für Dich da und steht Dir zur Seite. Einfach unter obigen Link anmelden und los geht’s.

Rückfälle vermeiden: So beugst Du vor

Ein Alkoholiker sollte stets auf der Hut sein. Erkenne Situationen, in denen Du vorher gerne zum Glas gegriffen hast. „Achtsamkeit“ ist hier besonders wichtig. Achte darauf, was in Deinem Kopf vorgeht, wenn Du an Alkohol denkst.

Eine wirkungsvolle Methode, Achtsamkeit zu üben ist die „ACT-Methode“. ACT steht für „Akzeptanz- und Commitment-Therapie“ und wird häufig in der Alkoholentwöhnungs-Therapie eingesetzt. Einen kurzen Überblick über die Methode liefert dieses Video:

Video: So funktioniert die ACT-Therapie.

Hier einige Tipps, wie Du Deine Abstinenz stärken und verfestigen kannst:

  • Achte auf Dein Umfeld! Wer ist gut und wer ist schlecht für Dich? Trenne Dich von schlechtem Umgang.
  • Nimm frühzeitig Hilfe (z. B. bei einer Selbsthilfegruppe) in Anspruch.
  • Friss‘ nichts in Dich hinein. Rede über Dinge, die Dich beschäftigen.
  • Achte auf Deine Gedanken! Wann denkst Du an Alkohol? Und warum?
  • Tue etwas für Dich! Treibe Sport, suche Dir ein Hobby und lerne Entspannungsübungen.
  • Welche Menschen sind Dir besonders wichtig? Welche Menschen würdest Du enttäuschen, wenn Du wieder regelmäßig trinken würdest? Hänge Dir Bilder dieser Menschen an die Wand oder stelle sie auf Deinen Schreibtisch, sodass Du sie immer sehen kannst.
  • Halte wichtige Telefonnummern (Therapeut, Selbsthilfegruppe, Freunde, etc.) immer griffbereit. Am besten, Du speicherst die Nummern in Deinem Handy.

Nach dem Rückfall

Wenn das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen ist, solltest Du Dir keine Vorwürfe machen. Ein Alkohol-Rückfall ist kein Beinbruch. Wichtig ist, dass Du jetzt nicht den Kopf in den Sand steckst. Es gibt keinen Grund, Dich zu schämen, und auch Selbstvorwürfe sind fehl am Platze. Ein Rückfall mit Alkohol ist ganz normal und passiert vielen abstinenten Alkoholikern eines Tages.

Tipp:
So locker und einfach es klingen mag: Mach‘ einen Haken dran. Es ist passiert, aber davon geht die Welt nicht unter. Informiere Dein Umfeld von Deinem Ausrutscher und kontaktiere Menschen, die Dein Problem kennen. Sie werden Verständnis haben und Dir ganz sicher nicht den Kopf abreißen. Verfalle jetzt nicht in alte Muster. Der Rückfall ist nicht schlimm. Schlimm wäre es, wenn Du weiter trinken würdest und Dein gesundes, abstinentes Leben aufs Spiel setzen würdest.

Nach dem Alkohol-Rückfall schnell wieder in die Abstinenz zurückfinden

Wenn es passiert ist, solltest Du möglichst schnell wieder in Dein abstinentes Leben zurückfinden. dabei helfen dir nicht nur Deine Vertrauenspersonen, sondern auch Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen oder Dein Arzt. Bedenke, dass es ein steiniger Weg bis zur Abstinenz war und weiter ist. Völlig klar, dass das kein Spaziergang ist. Fehler sind menschlich – und nichts anderes ist ein Alkohol-Rückfall.

Was war der Grund, weshalb Du wieder getrunken hast? Wie stellte sich die Situation in diesem Moment dar? All diese Dinge solltest Du mit Deinem Therapeuten klären. Dieser Ausrutscher, der Dir passiert ist, ist ein weiterer Schritt in Richtung dauerhafte Abstinenz.

Fazit

Ein Alkohol-Rückfall ist kein Drama. Aber er sollte natürlich auch nicht verharmlost werden. Wenn es passiert ist: Zieh‘ einen Strich drunter und halte weiter an Deinen Zielen fest. Viel zu wichtig sind Familie, Job und Freundeskreis, als dass ein Rausch das alles zunichte machen sollte. Arbeite weiter an Dir und verfolge Deine Ziele. Du wirst sehen: Ein abstinentes Leben ist viel wichtiger und schöner, als ständig besoffen (und damit unberechenbar, unzurechnungsfähig und einfach widerlich) zu sein.

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