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Alkoholentzug: Wie läuft eine Entgiftung ab?

Wer über einen längeren Zeitraum Alkohol in einem Maße getrunken hat, welches nicht mehr in der Kategorie „Genuss“ anzusiedeln ist, sollte sich über einen Alkoholentzug (auch Alkohol-Entgiftung genannt) Gedanken machen. Erst Recht dann, wenn schon deutliche Entzugserscheinungen bemerkt werden, die das Leben ohne Alkohol schier nicht mehr möglich zu machen scheinen. Doch was ist eigentlich ein Alkoholentzug? Was wird da gemacht? Wie lange dauert ein Alkoholentzug? Und was ist der Unterschied zwischen Entzug und Entwöhnung? Hier erfährst Du es.

Ein "kalter Entzug" kann lebensgefährlich sein. Deshalb lieber auf eine Suchtstation.

Ein qualifizierter Alkoholentzug ist nur in einer Suchtklinik möglich.

Wer viel Alkohol trinkt, mutet seinem Körper eine ganze Menge zu. Im Laufe der Zeit tritt eine Gewöhnung ein, d. h. der Körper denkt quasi, dass das Nervengift Alkohol „dazugehört“ und notwendig ist. Entzieht man dem Körper dann plötzlich den Alkohol, spielt das gesamte System verrückt. Das Gehirn (genauer das „Suchtgedächtnis“) verlangt plötzlich wieder nach seinem Gift und befiehlt dem Körper, sich umgehend bemerkbar zu machen. Schweißausbrüche, Schwitzen, Zittern, hoher Blutdruck und Puls – das sind nur die „harmlosesten“ Entzugserscheinungen. Wesentlich gefährlicher sind Entzugserscheinungen, wie Krampfanfälle oder das Alkohol-Delir. Diese Komplikationen können lebensgefährlich sein.

Um genau diese Entzugserscheinungen zu verhindern, ist ein qualifizierter Alkoholentzug nötig. Die Entgiftung findet in einem ärztlich überwachten Rahmen statt. Hier wird dem Patienten mit Medikamenten beim Alkoholentzug geholfen. Diese Medikamente verhindern, dass es zu lebensgefährlichen Entzugserscheinungen kommt. Gerade Krampfanfälle und das Delirium Tremens können medikamentös behandelt werden, noch bevor diese Symptome auftreten.

Achtung!
Ein „kalter Entzug“, also eine Alkoholentgiftung ohne ärztliche Unterstützung, ist lebensgefährlich! Ein Alkoholentzug sollte stets unter medizinischer Aufsicht stattfinden!

Der Weg vor der Entgiftung: Hier bekommst Du vorab Hilfe

Der Alkoholentzug ist gewissermaßen der erste Schritt zur Abstinenz. Viele Menschen haben Angst vor einem Alkoholentzug. Das ist jedoch völlig unbegründet, denn es kommt ja kein Unheil auf den Patienten zu, sondern – im Gegenteil – qualifizierte Hilfe! Folgende Anlaufstellen helfen Dir bei Deinem Weg in die Entgiftung:

  1. Dein Hausarzt
  2. eine Suchtberatungsstelle
  3. eine Selbsthilfegruppe
  4. Selbstanmeldung in einer Klinik

Hausarzt

Zunächst solltest Du Dich an Deinen Hausarzt wenden. Das kostet eventuell einiges an Überwindung, ist aber notwendig. Dein Hausarzt kennt Dich am Besten und weiß wahrscheinlich ohnehin längst, was los ist. Der Hausarzt stellt Dir eine Einweisung für die Entgiftungsstation aus. Die brauchst Du, um dort behandelt zu werden.

Suchtberatung

Sollte es Dir schwer fallen, Dich direkt an Deinen Arzt zu wenden, kannst Du auch einen Termin bei einer Suchtberatungsstelle in Deiner Nähe vereinbaren. Auch hier erhältst Du qualifiziete Informationen, wie Du mit Deiner Alskoholsucht umgehen solltest. Habe keine Scheu, denn die Menschen dort wissen, wie schwer es ist, vom Alkohol loszukommen. Es besteht also überhaupt kein Grund zur Scham.

Suchtberatungsstellen findest Du in jeder größeren Stadt. Caritas, Diakonie, Deutsches Rotes Kreuz und viele andere Stellen beraten Alkoholiker bei ihrem Weg in ein trockenes Leben.

Selbsthilfegruppe

Auch eine Selbsthilfegruppe kann Dir bei Deiner Entscheidung, abstinent zu werden, helfen. Es gibt zahlreiche Einrichtungen in jeder größeren Stadt. Die Anonymen Alkoholiker, Freundeskreis, Blaues Kreuz, Guttempler, Kreuzbund – um nur einige zu nennen. Diese Gruppen treffen sich regelmäßig meist ein Mal in der Woche (alle zu unterschiedlichen Zeiten). Hier triffst Du Menschen, die ebenfalls allesamt Alkoholiker sind und sich genau mit dem Thema auskennen. Ganz wichtig: Alle Gespräche sind absolut anonym und kostenlos. Hier findest Du weitere Informationen zu den Gruppen.

Entzugsklinik

Du kannst Dich auch direkt an eine Klinik wenden und Dich dort selbst anmelden. Weil es sich um einen so genannten Akutfall handelt, muss Deine Krankenkasse die Kosten übernehmen und das Krankenhaus Dich aufnehmen.

Vielen Entzugsstationen sind Sucht-Ambulanzen angegliedert, die ebenfalls vorab Informationen bieten. Der Vorteil: In der Regel kannst Du die Entgiftungsstation im Vorfeld besichtigen. So weißt Du schon vor dem Entzug, was auf Dich zukommt.

Video: Interessante Reportage über Menschen im Alkoholentzug.

So läuft der Alkoholentzug ab

Zunächst einmal musst Du zur Klinik gelangen. Benutze besser nicht das eigene Auto. Erstens wird das Parken im Bereich von Krankenhäusern schnell teuer und außerdem hast Du möglicherweise Alkohol im Blut, was das Führen eines Fahrzeuges ohnehin verbietet.

Wenn Du Dich von Deinem Arzt einweisen hast lassen, hat dieser Dir eventuell einen Krankenbeförderungsschein ausgestellt. Bei Behandlungen, die stationär im Krankenhaus erfolgen, bezahlen die Krankenkassen das Taxi von Deinem Wohnort zum Krankenhaus. Der Fahrer rechnet die Kosten direkt mit Deiner Kasse ab. Dies gilt übrigens nur für die Hinfahrt, nicht für die Rückfahrt.

Nachdem Du in der Klinik angekommen bist, wird zunächst einmal Dein aktueller Atemalkohol gemessen. Es folgen Messungen des Blutdrucks und – falls dies nicht erst am nächsten Tag gemacht wird – ein EKG. Je nachdem wie entzügig Du bist, wird man Dir Medikamente geben, die die Entzugserscheinungen abmildern. Diese Medikamente verhindern Krampfanfälle und Delir und wirken darüber hinaus beruhigend, ohne allzu sehr zu sedieren.

Tipp
Selbstverständlich solltest Du es vermeiden, sturzbetrunken in der Entgiftung zu erscheinen. Allerdings solltest Du auch nicht annehmen, dass Du einen guten (nüchternen) Eindruck machen musst. Die Kliniken mögen es nicht, wenn Patienten bereits entzügig, also mit massiven Entzugserscheinungen, auf der Station ankommen. Zumal, wie in diesem Artikel mehrfach erwähnt, Entzugssymtome lebensgefährlich werden können. Sorge also dafür, dass Du ein Mittelmaß findest, damit Du in einem stabilen Zustand in der Klinik ankommst. Ganz deutlich: Ja, es ist besser, bei Ankunft in der Entgiftung eine solche Menge Alkohol getrunken zu haben, die es Dir ermöglicht, ohne Entzugserscheinungen aber dafür sicher dort anzukommen. Niemals solltest Du mit Alkohol im Blut selbst Auto fahren!

Du musst keine Angst haben: alle hier sind sehr nett und verständnisvoll. Das Personal kennt Deine Situation ganz genau und auch die Mitpatienten spielen in derselben Liga, wie Du. Niemand wird Dich hier schief anschauen.

Engmaschige Kontrolle von Blutdruck und Kreislauf

In der Regel wirst Du am Vormittag aufgenommen (außer, Du kommst als Notfall an). Das heißt, dass Du jetzt schon am Leben auf der Station teilnehmen darfst, sofern Du das möchtest und in der Lage dazu bist. Auch zu den Mahlzeiten sitzt Du bereits mit am Tisch. Mache Dir keine Gedanken, wenn es anfangs mit dem Essen nicht so gut klappt (Erbsen mit zittrigen Händen essen, ist eine Herausforderung). Deine Mitpatienten kennen das Problem und stehen Dir gerne helfend zur Seite.

Üblicherweise wirst Du in einem Zwei-Bett-Zimmer untergebracht. Das hat den Grund, dass Dein Mitpatient ebenfalls ein Auge auf Dich hat und im Notfall Hilfe herbeirufen kann.

Man wird Deine Blutdruckwerte engmaschig überwachen. Das heißt, dass regelmäßig eine Pflegekraft zu Dir kommt, um Puls und Blutdruck zu messen. Das Personal beobachtet auch, wie sich Dein Körper verhält (Zittern, Schwitzen, etc.) und dosiert die Medikamente bei Bedarf nach. Man wird Dir das Leben im Alkoholentzug so einfach wie möglich machen, ein „Spaziergang“ wird es jedoch nicht.

Leben mit oder ohne Alkohol? Wer sich für den Alkoholentzug entscheidet, hat den ersten Schritt in die Abstinenz gewagt.

Wie läuft ein Alkoholentzug ab? Hier erfährst Du, was in der Alkoholentgiftung passiert.

Die ersten Tage im Entzug

In den ersten Tagen darfst Du die Station nicht verlassen. Das ist deshalb nicht erlaubt, weil gerade in den ersten Tagen die meisten Komplikationen auftreten können. Solltest Du zum Beispiel einen Krampfanfall bekommen, kann Dir das Personal schneller helfen, als wenn man Dich erst auf dem Klinikgelände suchen muss.

Wenn Du Raucher bist, wird es einen Ort auf der Station geben, an dem in dieser Zeit geraucht werden darf. In der Regel ist das ein Balkon, der nur von Patienten in der akuten Entgiftungsphase genutzt werden darf. Das ist von Klinik zu Klinik aber unterschiedlich.

Auch wenn Du in den ersten Tagen nicht daran denkst etwas zu essen, wirst Du sehr schnell zu schätzen lernen, endlich wieder regelmäßig und hochwertige Nahrung zu Dir nehmen zu können.

Oft schon nach dem vierten Tag darfst du die Station verlassen und das Klinikgelände betreten. Hier triffst Du auf andere Patienten, kannst die Caféteria nutzen oder einfach nur spazieren gehen. In manchen Kliniken gibt es diesen Bonus nur in Begleitung mindestens eines weiteren Patienten. Das heißt: Erkundung der Klinik nur in Begleitung. Andere Kliniken erlauben das aber auch alleine.

Wie lange dauert ein Alkoholentzug?

Über den Daumen gepeilt, sind es 3 bis 5 Tage, die notwendig sind, den Alkohol aus dem Körper zu bekommen und den Organismus auf die neue Situation einzustellen. In manchen Fällen dauert es etwas länger. Das liegt daran, wie exzessiv und wie lang Du getrunken hast und in welchen Zustand sich Dein Körper befindet. Aber unterm Strich: Der pure Entzug, also die Entgiftung ist in wenigen Tagen geschafft. Danach schließt sich dann die Alkoholentwöhnung, der eigentliche Teil auf dem Weg in die Abstinenz, an.

Nach dem Entzug: Die Alkoholentwöhnung

Die Alkoholentwöhnung ist der eigentlich wichtigste Teil, wenn es darum geht, ein abstinentes Leben zu führen und einem Rückfall vorzubeugen. Bei der Alkoholentwöhnung handelt es sich um eine Therapie, die über mehrere Wochen angesetzt wird. Hierbei lernst Du, wie Du Dein Leben ohne Alkohol genießen kannst. So unglaublich das im Moment noch klingt: es funktioniert, wenn Du das willst.

Nicht selten kann eine Entwöhnung in Form einee Langzeit-Therapie absolviert werden, die durchaus 10 bis 20 Wochen dauern kann. Stehen auch noch andere Suchtmittel im Raum, kann diese Therapie auch noch länger dauern. Die Rentenversicherung, bzw. die Krankenversicherung übernimmt in der Regel die Kosten.

Das Thema Alkoholentwöhnung ist so interessant und umfangreich, dass wir dafür einen eigenen Artikel verfasst haben.

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